Lesen 2.0 oder der Ebook-Reader Sony SRS505

Oder wie sich die eigene Meinung innerhalb einer Woche ändern kann.

Aber von vorn:

Kurz vor der Frankfurter Buchmesse gab Amazon bekannt den Kindle auch in Deutschland zu verkaufen. Sie haben sich da ein ziemlich komisches Konstrukt überlegt.  Dies beinhaltet einen Kauf bei Amazon.com (nicht .de) und einen Roamingvertrag mit AT&T in den USA. Die Roaminggebühren werden von den ausländische Kunden über einen höheren Buchpreis bezahlt und es gibt nicht alle Bücher für nicht amerikanische Kunden (liegt an den Verträgen mit den Verlagen). Ausserdem verkauft Amazon stand heute keine deutschsprachigen Bücher. Da der Kindle von Haus aus nur DRM geschützte Bücher darstellen kann, die bei Amazon gekauft werden, ist der Kindle für den heutigen Zeitpunkt für mich kein kaufbares Produkt.

Eines hat die Ankündigung von Amazon aber erreicht. Das Thema Ebook-Reader das ich über die C’T mit Interesse verfolgt habe, rückte wieder in den Vordergrund und ich beschäftigte mich ausführlich mit dem Thema.

Meine Recherche

Wenn man als zukünftiger Leser von Ebooks sich mit dem Thema näher beschäftigt, stellt man fest das die verfügbaren Reader alle mehr als 250 € kosten. Das ist eine Menge Geld und man erwartet, dass man dieses Geld beim Kauf von Büchern irgendwann durch günstigere Preise bei den Ebooks im Vergleich zu den gedruckten Kollegen wieder drin hat.

Leider stehen dieser Erwartung die deutschen Verlage entgegen. Für sie sind Ebooks ein ungeliebtes Kind und sie versuchen alle Fehler zu wiederholen, die die Musikindustrie bei der Einführung des Onlinevertriebs von MP3-Musik gemacht hat .

Sie halten an der Buchpreisbindung fest und legen den Preis pro Ebook ca. 1-2€ unter dem Preis des gebundenen Buches fest (der Reader finanziert sich nach ca. 130 Büchern). Ist die Taschenbuchversion eines Buches erschienen, so orientiert sich der Preis an dieser Version des Buches. Daraus schließt der mündige Kunde, dass die ganzen Preisvorteile, die durch den Wegfall der Hardwarelogistik (Druck, Lagerung, Versand) im Vergleich zu einem Onlinevertrieb von Dateien, den Verlagen zu gute kommt. Ziemlich unfair wie ich finde.

Bei der Verfügbarkeit von Ebooks sieht es auch noch mau aus. Bei Amazon gibt es noch keine Bücher und bei den deutschen Shops ist das Angebot auch noch sehr klein. Immerhin haben viele Verlage auf der Buchmesse angekündigt ihr Sortiment auch online zur Verfügung zu stellen, so dass sich die Situation in naher Zukunft bessern dürfte.

Ein weiterer offener Punkt sind die verschiedenen Formate in denen Ebooks angeboten werden. Derzeit konkurrieren folgende Formate:

PDF

durch sein starres Seitenlayout eignet sich das Format nicht für Reader mit 5″ oder 6″ Display, da die meisten Veröffentlichungen auf A4 formatiert sind. Deshalb muss entweder umformatiert werden oder aber man braucht eine Lupe oder scrollt durch die Seiten.

EPUB

dies ist das Format auf den der deutsche Buchhandel (ohne Amazon) setzt. Die meisten deutschen Bücher sind in diesem Format vorhanden.
Dieses Format gibt es in einer DRM und DRM-freien Version.

BBeB-/LRF

das Format von Sony, das auch in Ihrem Shop vertrieben wird.

Kindle (.azw)

dieses Format wird nur von Amazon vertrieben und nur der Kindle versteht es.

Neben den oben genannten Formaten können die meisten Reader noch TXT-, RTF- und HTML- Dateien mehr oder weniger gut darstellen. An Bildformaten wird in der Regel JPG und BMP unterstüzt.

Nicht alle Formate werden von allen Readern verstanden, so dass durch die Wahl des Readers auch die Formate feststehen und damit auch die Einkaufsmöglichkeiten in den Shops. Der geschlossene Ansatz von Amazon mit Kindle und eigenem Format ist auch der Hauptgrund warum ein Kindle für mich nicht in Frage kam.

Kommen wir nun zu dem leidigen Thema DRM.

Wie die Musikindustrie sind auch die Verlage der Meinung, dass sie keine Bücher verkaufen, wenn sie sie ungeschützt anbieten. Somit muss man wenn man aktuelle Literatur lesen will, die DRM-Kröte schlucken. Damit erkauft sich der Kunde aber weitreichende Einschränkungen beim Besitz des Buches.

  • Die Bücher können je nach System nur auf 1- 6 Geräten gelesen werden
  • Bücher können nicht verliehen werden
  • Bücher sind eventuell mit dem Nachfolgereader nicht mehr lesbar (wird das DRM und Format unterstützt?)
  • Backups sind aufwendig und zum Teil nur im Netz möglich.
  • Was passiert wenn die DRM Firma nicht mehr existiert?
  • Der Kaufprozess und das Aufspielen des Buches wird verkompliziert und ist nicht userfreundlich.
  • Der User wird kriminalisiert, wenn er den Schutz entfernt um seinen Besitz zukunftssicher zu machen.

3 Gründe die zum Kauf des Readers führten

Durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema wurde eine unterschwellige Begehrlichkeit geweckt. Es kristallisierte sich heraus, dass der Sony SRS 505 für mich am ehesten in Frage kam. Das monopolistische Verhalten von Amazon, die nicht benötigte Onlinefunktionalität und die fehlende deutsche Literatur gaben den Ausschlag in diese Richtung.

Als dann über Nacht bol.de den Preis von 249€ auf 199€ senkte und man als Neukunde bei bol.de auch noch einen 20% Rabattgutschein einlösen konnte, stand meine Entscheidung fest: Es wird der Sony-Reader und zwar jetzt.

Durch meine Recherche kristallisierten sich noch zwei weitere Gründe heraus, die neben der Preisreduzierung zum Kauf animierten.

  1. Es gibt im Netz freie bereits fertige Ebooks. Dies liegt am Urheberrecht für Bücher. Dieses Recht endet 70 Jahre nach dem Tod des Autors oder Übersetzers. Bekannte Autoren auf die das zutrifft sind z.B. Karl May, Theodor Storm, Edgar Walles, Jules Verne. Insgesamt haben die fleißigen Mitglieder von MobileRead.com zur Zeit 428 deutschsprachige Ebooks erstellt.
  2. Es ist relativ einfach sich aus Texten oder HTML-Seiten eigene Ebooks zu erzeugen. Diese kann man dann bequem auf dem Reader lesen. Auch wandelt Calibre relativ einfach RSS-Feeds (z.B. Zeit, Süddeutsche) in Ebooks um, so dass man auch Aktuelles auf dem Reader lesen kann.

Erfahrungsbericht nach einer Woche Ebook-Reader.

Das wichtigste zuerst. Ich komme mit dem Gerät wunderbar zurecht. Auch mehrstündige Lesesessions (bis zu 4 Std.) sind kein Problem. Insgesamt habe ich bis heute ca. 1200 Seiten gelesen. Das Gewicht entspricht einem dicken Taschenbuch und das Umblättern mit einer von 2 Tasten ist auch kein Problem. Sehr angenehm ist, dass der Reader an der Stelle im Buch weitermacht, an der man aufgehört hat, auch wenn man zwischendurch in einem anderen Buch gelesen hat.

Der Sony-Reader ist ein einfacher Reader ohne viele Zusatzfunktionen, er kann viele Formate lesen und wird klassisch über USB betankt (Strom und Daten). Wer Inhalte zu jeder Zeit auf den Reader laden will, muss auf Geräte mit Funkschnittstellen zurückgreifen (Kindle, Textr). Wer Anmerkungen und Notizen zu den Büchern auf dem Gerät ablegen möchte braucht ein Gerät mit Eingabemöglichkeiten. Dies kann der Sony SRS 505 alles nicht, aber seine Hauptaufgabe, Texte zum lesen darzustellen, erfüllt erfüllt er prima.

Über die Wirksamkeit des DRM-Schutzes mit Adobe-Digital Editions kann sich der Leser mit Hilfe der Suchmaschine seiner Wahl selbst ein Bild machen. An dieser Stelle sei gesagt das der Schutz nicht 100% sicher ist.

Mein Fazit

Auch wenn Amazons Kindle in Deutschland ein breites Medienecho erhalten hat, so sollte man beachten, dass es mehr als einen Reader gibt. Zur Zeit werden fast täglich neue Reader vorgestellt oder auf dem Markt eingeführt. Ähnlich wie bei Netbooks vor einem Jahr, ist diese noch recht neue Geräteklasse nicht klar definiert. Jeder Gerätehersteller stattet seinen Reader mit unterschiedlichen Hard- und Softwareleistungsmerkmalen aus.
Man sollte sich vor dem Kauf gründlich mit dem Markt auseinander setzen. Eventuell ist es für einen persönlich auch noch zu früh sich jetzt schon auf ein Gerät festzulegen und man wartet noch ein Jahr ab. Vielleicht klärt sich bis dahin die Format-Frage, Amazon schwingt sich in Deutschland zum Monopolist auf oder auch nicht.

Zur Zeit gehört man als Ebook Besitzer definitiv noch zu den Early Adopters und bewegt sich in einem Gebiet wo alle Beteiligten noch nicht so genau wissen wo die Reise hingeht.

In meinen Augen ist es auch wichtig Ebooks zu kaufen und somit den Verlagen zu zeigen, dass sich ein Markt auftut. Preise, DRM und Angebot werden sich nach dem Markt richten, und den muss man erst einmal schaffen. Bei der Musik fiel das DRM erst als der Markt groß war und die Kunden Alternativen hatten.
Raubkopierte Ebooks sind für mich kein Thema, wenn sich ein Autor mehrere Wochen/Monate Zeit nimmt ein Buch zu schreiben, soll er auch für seine Arbeit entlohnt werden. Dass in der Verwertungskette viele mit verdienen ist mir bewusst, aber das kann ich nicht ändern.

Ebooks sind auf jeden Fall ein spannendes Thema, das auch in Zukunft noch einiges in Petto hat. So wird z.B über farbige Display spekuliert, die Diskussion um die Buchpreisbindung wird sich verschärfen und auch die Reader an sich sind noch nicht am Ende ihrer Entwicklung.

Ich bereue die Entscheidung nicht, mir zu diesem Zeitpunkt den Reader gekauft zu haben. Ich bin auf eure Kommentare zu diesem Thema gespannt.

Links

    Sony Digital Ebook Reader
    Sony Digital Ebook Reader
    Brand: Sony

2 Gedanken zu „Lesen 2.0 oder der Ebook-Reader Sony SRS505

  1. Ich habe mir gerade den Foxit Eslick bestellt: http://www.foxitsoftware.com/ebook/
    Meine Lektüren (meist Papers fürs Studium, hin und wieder mal ein Buch) kommen im großteil der Fälle als PDF Dateien zu mir.
    Da Foxit ja einiges an PDF Erfahrung hat und die Videos und Kommentare bezüglich dem PDF reflow durchweg positiv ausfallen kann ich ja mal hoffen 🙂
    Desweiteren haben die das Teil nach minimalem nörgeln auch noch open source gemacht, mit etwas Glück könnte ich in ferner Zukunft dann auch einfach Open Inkpot (http://openinkpot.org/) aufspielen.

  2. Wie schon schrieb jeder muss für sich entscheiden, was der Reader können sollte. Mir würde die Epub Unterstützung schon sehr fehlen, da ich hauptsächlich Unterhaltungsliteratur lese.
    Ab du kannst ja mal Dienstags zum CCWN kommen wenn du den Reader hast.

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